ADIEU FACEBOOK


Letztendlich war es nur ein Satz, der entscheidend ist, gesagt von der amtierenden Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. In der ZIB meinte sie, es sei durchaus zumutbar einen Arbeitsplatz auch weit von seinem Wohnort anzunehmen, denn man verkehre ohnehin nur noch digital. Das verstört mich.

Also verlasse ich im ersten Schritt Facebook, wofür es inzwischen ja schon mehrere Gründe gibt.

Wie diese neue Regierung – wenn man sie denn wirklich so nennen will – ins Amt intrigiert wurde. Eine Regierung, die aus Parteien besteht, die schon im Vorfeld nichts anzubieten hatten und die jetzt auf dem besten Wege ist, zu einer der unbeschreiblichsten zu werden, weil es über diese Regierung nichts zu sagen gibt. Auch wenn sie von der absoluten Mehrheit der österreichischen Wahlberechtigten nicht gewählt wurde, so doch von einer ausreichenden. In einem beispiellosen, an Scheußlichkeit und Schmuddeligkeit nicht zu überbietenden Wahlkampf hat man diese Mehrheit vorsätzlich in die Irre geführt, belogen und an die niedrigsten, unmenschlichsten Instinkte appelliert. Eine Form des Journalismus hat sich breit gemacht, der diese Bezeichnung nicht mehr verdient. „Heute“ und „Österreich“ haben mit staatlicher Presseförderung eine Kampagne betrieben, die einer demokratischen Gesinnung in keiner Weise mehr würdig ist. Unterstützt wurden sie – direkt oder indirekt - von Facebook.

Facebook ist amerikanisch, ergo puritanisch, pseudomoralisch, intellektuell rückschrittlich, meist sehr primitiv, zur Schau stellend, hysterisch.

Facebook ist quotengeil, eine Plattform für überbordendes Vermittlungsbedürfnis und mitunter peinlicher Selbstentblößung.

Auch wenn mich jetzt wahrscheinlich viele geißeln wollen, #me too fand ich größtenteils leider nur widerwärtig und unreflektiert. Viel Raum für Angriffe, so gut wie kein Platz für Verteidigung. Eine Lawine ziviler Gerichtsbarkeit wurde losgetreten. Der große kolportierte Mut, der hinter dieser Aktion stehen soll, blieb mir verborgen.

Von mißbräuchlich angeeigneten Daten, Informationen, angezapften Konten (50 Mio. User in den USA) und … und … und rede ich gar nicht.

Ein paar originelle Einträge werden mir fehlen, das Gros aber ist und bleibt entbehrlich. Das Leben ist mir zu kurz, um mich solcherart zu zerstreuen. Ich brauche wieder eine ausreichende Privatsphäre. Facebook ist eine völlig deprivatisierte Community, und jeder, der es nutzt ist Mitglied dieser Community. Ich will keines mehr sein! Diese Entscheidung ist gleichzeitig auch ein erster Schritt, mich von diesem Digitalwahnsinn, der in angsteinflößender Geschwindigkeit voranschreitet, zurückzuziehen.

„Aber du brauchst es doch, schon alleine beruflich …“, haben mir bereits jetzt einige Menschen gesagt, denen ich meinen Entschluß mitgeteilt habe. Stimmt nicht! Ich brauche es nicht, es hat beruflich noch nie eine Relevanz für mich gehabt. Oder meldet sich jemand, der mich aufgrund meines Facebook-Profils engagiert, oder es wenigstens in Betracht gezogen hat.

Ja, es gibt schon auch Vorteile, streite ich gar nicht ab, aber auch zu viele Nachteile. Nicolaus Hagg hat jüngst gepostet: „Ich vermiss ‚Früher‘ ein bissl.“ Ja, ich vermisse es auch und nicht nur ein bissl!

Ich denke, ich werde wieder vermehrt Leute zu mir einladen. Bei mir darf man trinken, muß nicht in Socken am Balkon stehen, wenn man rauchen will, ja, denn eines ist bei mir absolut unerwünscht: sich in meiner Wohnung die Schuhe auszuziehen, außer, man will mit mir ins Bett … #me too


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