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ICH BIN JA GAR KEIN ÖSTERREICHER

August 8, 2018

Ich bin in Österreich geboren, so steht es in meinem Paß. Staatsangehörigkeit: Österreich. Und dennoch kann ich kein Österreicher sein. Dieser von mir schon lange gehegte Verdacht verdichtet sich mit meinem zunehmenden Alter.

Ich gehöre diesem Staat nicht an. Weder gehört der Staat mir, noch ich dem Staat. Es handelt sich um nichts anderes als eine Besitzergreifung des Staates Österreich, und daß ich in diese Region überhaupt hineingeboren wurde, ist ein riesengroßer Irrtum der Evolution. Ich bin seit nunmehr 57 Jahren zur falschen Zeit am falschen Ort, vom Schicksal verdammt, in diesem Österreich zu leben. Nichts bindet mich an dieses Land. Nicht die Landschaft, nicht das Klima und schon gar nicht die Mentalität der sogenannten österreichischen Leute, die eben schon immer mehr Leute als Menschen gewesen sind. Auch nicht die Staatsführung, die inzwischen zu einer der widerwärtigsten überhaupt geworden ist, die ich selbstverständlich nicht gewählt habe, ebenso wenig wie ich Österreich zu meinem Lebensmittelpunkt gewählt habe. Diese österreichische Staatsführung tut auch nichts anderes als ununterbrochen daran zu arbeiten, daß mir dieses Land nur noch fremder wird, als es mir sowieso schon immer war, und daß es mir immer unerträglicher wird, mich als Österreicher bezeichnen zu müssen.

         © Suzy Stöckl/Paul Zsolnay Verlag

 

Ich bin ja in Österreich niemals heimisch geworden, fühle mich seit jeher fremd hier. “Fremd ist der Fremde nur in der Fremde”, sagt Karl Valentin, und Österreich ist mir immer nichts anderes als nur Fremde gewesen. Niemals habe ich dieses Land als meine Heimat empfunden, nicht nur deshalb, weil ich das Wort Heimat und alles, was damit zu tun hat, schon an und für sich verabscheue, sondern, weil ich mit Österreich nichts verbinde, was man als Vertrautheit bezeichnen könnte. Nichts im Leben könnte mich dazu bewegen, dieses, mein sogenanntes Vaterland gegen wen oder was auch immer zu verteidigen oder gar mein Leben für Österreich aufs Spiel zu setzen. Vaterland oder Muttererde sind ja die dümmsten Begriffe überhaupt. Das Land meines Vaters ist bis zu seinem Tod Böhmen gewesen, und die Erde meiner Mutter ist so weit in der Welt verstreut, daß man sie überhaupt nirgendwo festmachen kann.

Seit jeher schon leide ich unter Fernweh nach dem Süden, nach der Sonne und dem Meer. Und es wird wohl einmal der Tag kommen müssen, an dem ich diesem Leiden ein Ende setze. Ich werde Österreich entfliehen und unter der Sonne Zuflucht suchen, in der Hoffnung kein Fremder in der Fremde zu sein.

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